Situation

Tage- und Nächtelanger Streßfaktor Veranstaltungslärm auf dem Blücherplatz

Anwohner Lärm nervt und kann ordentlich an die Substanz gehen, in Abhängigkeit der akustischen Faktoren (insbesondere der Höhe des Schallpegels, der Häufigkeit und Dauer des Lärmereignisses sowie dem Charakter des Lärms und der Lärmvorbelastung). Am Berliner Blücherplatz finden immer wieder div. Veranstaltungen statt, mit zum Teil mehreren Bühnen und über mehrere Tage. Anwohner sind dem Veranstaltungslärm massiv ausgesetzt und kommen auch nachts nicht zur Ruhe. Nicht wenige Anwohner leben in lärmempfindlichen Räumen und können nicht in ruhige Räume flüchten. So mancher packt seine Taschen und verreist (wohl dem, der die Möglichkeit hat). Auch macht sich nach einer Weile der Zwangsbeschallung bei manchen Aggression breit. Die Lärmgeschädigten sehen in der Regel von Beschwerden ab, weil sie glauben, damit bei einer "erlaubten Veranstaltung" eh keinen Erfolg zu haben und aufgrund einer behördlichen Erlaubnis sei alles erlaubt. Einzelne Beschwerdefüher werden stets abgebürstet und erhalten den Stempel eines Querulanten. Die wenigen Personen unter den Geschädigten, die sich zu Beschwerden entschließen, stehen dann meist als Einzelkämpfer da, weil die anderen Geschädigten aus Angst oder Unsicherheit lieber schweigen. Die Beschwerdeführer werden so leicht zu Querulanten gemacht und, wie es hier auch schon passiert ist, als "Nazis" beschimpft.

Die materiellen Schäden tragen die Anwohner

Erst durch Befragung von verschiedenen Anwohnern wurde es deutlich: Speziell beim viertägigen Strassenfest im Rahmen des Karnevals der Kulturen entstehen Schäden, für die die Anrainer auch noch selbst aufkommen müssen. Eine Hausverwaltung muss einen höheren Betrag für die Wiederherrichtung gärtnerischer Anlagen bezahlen, eine andere muss für die Kosten eines eingetretenen Torflügels aufkommen (lt. Anwohnern eingetreten, um "pinkeln" zu können) und ein Gewerbetreibener kommt über die vier Tage nicht ohne Sicherheitsdienst aus und hat auch mit Vandalismus zu kämpfen. Weiterhin wurde berichtet, dass zeitweise die Stromversorgung zusammengebrochen sei, weil man anläßlich des "Festes" zu viel Strom aus dem lokalen Netz abzog.

Unterschätzt: Ahoi von den Pipiseen und die Reaktion von Haustieren

Erst nach Befragung von Anwohnern aus verschiedenen Strassen (Waterlooufer, Zossener Str., Baruther Str., Lindenstr./Mehringplatz, Johanniterstr., Brachvogelstr., usw.) wurde eindeutig klar, dass sich fast alle auch an den Pinkelseen und Glasscherben stören. Besucher des Strassenfestes verschaffen sich regelmäßig Zutritt in die Häuser und verrichten dort ihre Notdurft, mancherorts entstehen innerhalb der Häuser richtig große Pfützen. Weitere Anwohner berichten von ihren Haustieren, manche reagieren ängstlich, andere aggressiv. Hundehalter haben mit den vielen Glasscherben ein Problem, aber nicht nur diese (Rad- und Rollstuhlfahrer u.a. danken auch).

Ausnahmezustand ohne Maßen

Für die Anwohner ist das Strassenfest ein Ausnahmezustand ohne Maßen, wohl zum Wohle der Finanzen. Auf Hilfsmittel (z.B. Rollator, Rollstuhl, aber auch Kinderwagen, etc.) angewiesene Nachbarn kommen Dank der großräumigen Sperrungen und der weitläufigen Umleitungen der Busse über vier Tage nicht vom Fleck. Die U-Bahnzugänge sind nicht behindertengerecht und die Treppen für diese Personengruppe unüberwindlich.

Keine inhaltliche Diskussion über Sinn oder Unsinn einer Veranstaltung

Über den Sinn oder Unsinn einer Veranstaltung kann man unterschiedlicher Meinung sein, hier soll darüber nicht sinniert werden. Im Wesentlichen stört der Betrieb mehrerer Bühnen auf dem viertägigen Strassenfest im Rahmen des Karnevals der Kulturen massiv. Ohne diesen Bühnenbetrieb wäre das Problem nur halb so schlimm und hinnehmbar. Und so ist es auch bei anderen Veranstaltungen. Es sind die Bühnen mit Ihrer verstärkten Livemusik oder ins Megaphon brüllenden Moderatoren, die einem die Ohren vollballern und die Nerven blank liegen lassen, vor allem, wenn man auch über die Feiertage morgens fit sein muss.

Muss das sein?

Eine Lärmmessung vor Jahren während des Betriebes der Bühnen hat auf meinem Balkon einen sehr hohen Wert ergeben. Die lärmmessende Person war selbst erschrocken. Der Lärm entsprach eher einem startenden Flugzeug denn einer Musikveranstaltung und wie ich später telefonisch erfuhr, soll der Wert oberhalb von 90 dB(A) gelegen haben, wohlgemerkt noch kummuliert (runtergerechnet). Und so geht das nicht einige Stunden (wie bei der Loveparade oder CSD), sondern über eine Stundenanzahl regelmäßig im zweistelligen Bereich über Tage. Kein Wunder, dass meine Fensterscheiben zeitweise (mit)vibrieren. Der Abstand von hier zur nächstgelegen Bühne beträgt ca. 150 Meter, zur zweitnächstgelegen Bühne knappe 300 Meter und andere Anwohner wohnen noch näher dran. Schallpegelmessungen beim Strassenfest 2014 zeigten immerhin eine Abnahme der Pegel im Vergleich zu den Vorjahren. An der (vorübergehend stillgelegten) Bushaltestelle des M41 "Zossener Brücke" wurde ein Wert knapp über 80 dB(A) und auf zwei Balkonen Werte von je knapp über 70 und 75 dB(A) gemessen. Die Messungen auf den Balkonen wurden von einem Techniker des Bezirksamtes bestätigt, also mit einem geeichte Gerät, welches keine anderen Ergebnisse lieferte, als unser nicht geeichtes Gerät.

Brot und Spiele für die Menschen

Man tut den teilnehmenden Tänzern und Aktivisten auch keinen Gefallen, wenn man sie erst mit Musik aufheizt und dann um Mitternacht abrupt die Stecker zieht. Natürlich ist es dann sowieso nicht ruhig, normalerweise geht die Party dann mit Trommelei oder Trittbrett-Freiluftdiscos (wie z.B. vor Jahren an der "Wasserpumpe") oft bis zum Sonnenaufgang oder gar darüber hinaus weiter. Wäre es nicht sinnvoller einen Veranstaltungsort zur Verfügung zu stellen, an dem sich die Teilnehmer richtig ausarbeiten können, ohne direkte Anwohner zu schädigen? Der ehemalige Flughafen Tempelhof ist gleich um die Ecke. Dort gibt es keine naheliegenden Anwohner, viel Platz und sogar Parkplätze und eine gute ÖPNV-Anbindung. Gerade für ein Ereignis mit überregionaler Bedeutung bietet sich das an... man muss nur wollen.

Lärm-Spießer

Oft wird einem der Vorwurf gemacht, man sei ein "Lärm-Spießer". Kommentare in Medien sprechen eine deutliche Sprache, man solle doch aufs Land ziehen, mitfeiern oder einfach die Klappe halten. ABER: Diejenigen, die sich so äußern, wohnen nicht am Blücherplatz! Gerne setzte ich mich trommelnd bei diesen Menschen ebenso lang wie das Strassenfest läuft unter deren Fenster :-). Alle zufällig getroffenen Nachbarn äußerten ihren Unmut und erstaunlicherweise hält die Nachbarschaft bei diesem Thema zusammen, quer durch die unterschiedlichen Kulturen und Hintergründe, auch den Kulturen, die man beim Kulturkarneval gar nicht findet. Gerne werden hier auch andere Meinungen wiedergegeben, sie sollten aber von wirklich betroffenen Anwohnern stammen und innerhalb dieser scheint die Meinung eindeutig zu sein. Und wieder: Warum geht man nicht auf den Flughafen THX? (Antwort war, die dortige Natur sei, wohl im Gegensatz zu hier, zu schützen.)