2014

Review auf das viertägige Strassenfest im Rahmen des Karnevals der Kulturen 2014 aus Anwohnersicht

SoundMeter Die Lautstärken wurden von hier an drei unterschiedlichen Orten gemessen. Zur Messung stand ein Schallpegelmesser zur Verfügung. Dieses Gerät kann zwar keine gerichtsverwertbaren Messungen darstellen, sehr wohl aber einen Anhalt bieten (kein Klasse I-Gerät, nicht geeicht; Kalibrierung mit 94db@1KHz, Messbereiche 30-130 dB(A) und 30-130 dB(C) bei einer Auflösung von 0.1 dB. Messbereiche: 30-80, 50-100, 60-110 und 80-130 dB bei einer Genauigkeit von +/- 1.5 dB). Die eigenen Messungen deckten sich mit vom Bezirksamt Kreuzberg-Friedrichshain durchgeführten Messungen, was die Funktionalität und Richtigkeit der eigenen Messungen bestätigte. Subjektiv habe ich persönlich die Schallbelastung im Gegensatz zu den vergangenen Strassenfesten als geringer empfunden, was aber nicht wirklich etwas an der viertägigen Gesamtbelastung ändert. Dafür brannten meine Augen von den Dauergrillschwaden etwas (inversive Wetterlage, kein Wind). Immerhin bemerkenswert ist für 2014, dass die sogenannten Limiter (Schallbegrenzer) dieses Jahr offensichtlich nicht umgangen wurden. Allerdings machten einem die nächtlichen Dauertrommler und einige "Polenböller" und "Schreckschusswaffen"-Benutzer tief in der Nacht das Schlafen schwer (ich muss auch an Feiertagen früh aus dem Bett). Innerhalb der betroffenen Anwohnerschaft des Blücherplatzes besteht nach Gesprächen ein breiter Konsens mit der Fragestellung, warum man ein derart langandauerndes Strassenfest nicht auf dem naheliegenden Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof (auch wenn es der dortigen Initiative nicht paßt) durchführt.

Wer sich einmal mit den » Ausführungsvorschriften zum Landes-Immissionsschutzgesetz Berlin - Veranstaltungen (AVLImSchGBln - Veranstaltungen) befasst hat, dem wird klar, dass sich die Behörde bei der Auslegung der Vorschriften nicht nur bis an die äußersten Möglichkeitsgrenzen geht, sondern auch darüber hinaus. Das Hinausschieben der Nachtzeit wird mit einer Stunde begründet, tatsächlich wird lediglich das Ende der Bühnenbetriebe eine Stunde hinausgeschoben. Berücksichtigt man das offizielle Ende des Strassenfestes, sind es schon zwei Stunden und berücksichtigt man den dann noch folgenden Lärm durch Dauertrommeler & Co. (oder Ab- und Aufräumarbeiten in der Nacht von Montag auf Dienstag) sind es mehrere Stunden; eine Nachtruhe ist nicht gegeben, sei denn man rechnet die achtstündige Nachtruhe ab 12 Uhr mittags rückwärts. Lt. Pkt. 3.9 Nr. 3 dieser Vorschriften kann von Beschränkungen im Einzelfall abgewichen werden, wenn die Veranstaltung eine besondere Bedeutung hat oder eine besondere Akzeptanz der Allgemeinheit oder der Nachbarschaft genießt. Ein Immissionswert von bis zu 75 dB (A) kann genehmigt werden. Hier stellt sich die Frage, ob andere Anwohner nicht sogar höheren Werten ausgesetzt sind (z.B. Brandesstr. 1). In der direkt betroffenen Nachbarschaft genießt diese Veranstaltung zweifelsfrei keine Akzeptanz, ganz im Gegenteil!

Anwohnerinformation

SoundMeterErstmalig seit einer Jahreszahl im zweistelligen Bereich wurden wir Anwohner über das an Pfingsten 2014 stattfindende Strassenfest unterrichtet. Eine Information/Unterrichtung hatte man uns bisher stets verweigert, obwohl dies immer eine Nebenbestimmung der Ausnahmegenehmigung war und ist. Telefonisch war der Veranstalter während des Strassenfestes nicht erreichar; die Rufnummer der Polizei führte zum nicht vor Ort ansässigen Dienstgruppenleiter und war in der Problemzeit Nacht ebenfalls nicht erreichbar.
Durch einen Klick auf die gelbfarbige Info wird diese in einem eig. Fenster/Tab vergrößert.

Freitag, 06.06.2014

Um ca. 13:40 Uhr ging's los mit Getrommel und Co, auch wenn der offizielle Startschuß erst um 16 Uhr fiel. Eine bespielhafte Messung der Lautstärke in der Zeit von 22:30 Uhr bis 22:35 Uhr zeigt Werte oberhalb der 70dB-Grenze: Sound060614 Kurz nach 23 Uhr wurde zwar der Bühnenbetrieb eingestellt, aber es brachte nur eine Verringerung um ca. 5dB, denn Lautsprecher wurden weiterbenutzt und die Trommler & Co. waren fleißig. Später, weit nach Mitternacht, war bei mir persönlich ein erschöpftes Einschlafen möglich. Zum Glück war es ja erst der Freitag (der Hammer kommt immer spät abends bis tief in die Nacht an den Samstagen und Sonntagen). Gegen 3 Uhr dann wieder von lärmenden Besuchergruppen aus dem Schlaf geholt. Tja... (wohl dem, der keine Einfachverglasung und/oder eine Rückzugsmöglichkeit hat). Eine Handy-App. eines Anwohners zeigte Werte um 85/90 dB .... diese dürften aber nicht korrekt sein.

Samstag, 07.06.2014 bis Montag, 09.06.2014

Zeitweise betrug der Schallpegel nur 65 dB (A). Der Verlauf war im Groben aber etwa so, wie für den Freitag beschrieben.



Gastbeitrag eines Anwohners

Strassenfest 2014: Kulturell hochwertiges Massenspektakel von übergreifender Bedeutung, mit Fäkaliengestank und garantiert krank machend.

Liebe Leser,

wichtig und deshalb hier vorweg erscheint mir zu allerst einmal die Tatsache, dass das Strassenfest und der Umzug von der Presse und sehr vielen Kommentatoren kritisiert wurde. An erster Stelle ist hier der Tagesspiegel zu nennen, der nicht nur berichtete und kritisierte, sondern auch eine Polemik zur Anregung einer Kommentatorendiskussion veröffentlichte (» Polemik: Karneval der Kulturen? Sofort abschaffen!).

Es ist vollbracht! Das unsägliche Strassenfest ist vorbei und nach dem Strassenfest ist vor dem Strassenfest. Bleibt am Ball und werdet selbst aktiv. Nervt die selbstherrlichen Kreuzberger Politiker. Schliesslich werden sie von uns bezahlt und sollten eigentlich auch unsere Interessen vertreten.

Rauchschwaden Rettungswagen

Dieser Beitrag kommt leider etwas verspätet, da ich am Pfingstsonntag unter notärztlicher Versorgung ins Krankenhaus eingeliefert wurde und dort sechs Tage verbringen musste. Das diesjährige Wettkampftrommeln und die exzessiven Grillrauchschwaden haben mir eine veritable Tachykardie und einen Asthmaanfall beschert.

Hierfür dem Bezirksamt, den Veranstaltern und den unvernünftigen Besuchern meinen herzlichen Dank!

Ob der Lärm dieses Jahr 5 oder 10 db (A) leiser oder lauter war, ist letztendlich schwer zu beurteilen. Die vom BA zusätzlich durchgeführte Messung auf unserem Balkon brachten keine Auffälligkeiten. Dies entsprach auch unseren Eindrücken.

Nach dem Wirbel im Vorfeld hätte es uns auch extrem gewundert wenn die Veranstalter es wieder gewagt hätten abends die Lautstärkebegrenzung (Limiter) abzustellen / zu umgehen.

Extrem nervig bleibt die Anzahl an Tagen / Stunden. Das Bühnenprogramm war dieses Jahr extrem anstrengend. Das fast pausenlose Getrommel ist unerträglich! Hierüber herrscht bei allen mir bekannten Anwohnern Konsens! Man hatte den Eindruck das Getrommel kommt vom Band, da es fast immer das selbe öde Gerummse war.

Nach 108 verschiedenen Livebands hat sich das garantiert nicht angehört, nur nach extrem nervigem monotonen Wettkampftrommeln der deutschen (!!!) Sambagruppen (Multikulti gefaked?).

Die Grillrauchschwaden haben sich bis zu der Hochhausfront Lindenstr./Brandesstr. hingezogen und auch den Mehringplatz sowie die entgegengesetzten Himmelsrichtungen abgedeckt.

Während man tagsüber trotz großer Sommerhitze kaum die Fenster öffnen konnte, um den Lärm nicht allzu heftig herein zu lassen, konnte man am heissen Samstag die aufgeheizte Wohnung nicht mal abends auslüften / abkühlen lassen! Des Nachts wegen anhaltender Trommelei schon gar nicht. Es sei denn man wollte auch noch seinen Nachtschlaf für das übergeordnet wichtige und kulturell hochwertige Fremdfeiern und Wettkampftrinkgelage auf dem Blücherplatz opfern (sorry für den Zynismus....).

  
Überhaupt nicht gebessert hat sich die Belastung mit Verdauungsend- und Zwischenprodukten. Der Urin- und Kotgestank auf der Strassenebene und in vielen Hauseingängen war wie üblich unerträglich. Ist das auch kulturell hochwertig und von übergeordneter Bedeutung für Berlin, das Land und den Erdkreis?

Heilig-Kreuz-KircheAber Hauptsache die » Heilig-Kreuz-Kirche (siehe Bild) wurde vor solcherlei Unbill, wie üblich, durch Bauzäune geschützt. Nennt man das christliche Solidarität mit den Benachteiligten einer (Spass)gesellschaft?